Beckenbauer eröffnet Stammtisch der Ehrenspielführer
01. August 2009 Zurück zur Artikelübersicht »
Die Gäste des Stammtischs der Ehrenspielführer der deutschen Fußball-Nationalmannschaft haben am Samstag 35.000 Euro für soziale und karitative Projekte in Deutschland gesammelt.

„Ich war Zeitzeuge bei der Gründung der Mexiko-Hilfe. Damals, 1985, als wir in Vorbereitung auf die WM ein Turnier in Mexiko gespielt haben“, sagt Franz Beckenbauer, der die Gala im Atrium des gräflichen Landsitzes Hardenberg gemeinsam mit der Ehrenspielführerin der deutschen Frauen-Nationalmannschaft Bettina Wiegmann eröffnete. „Wir haben damals zwischen den Spielen ein Waisenhaus in Queretaro besucht. Die Zustände waren fürchterlich, heute sind sie vergleichsweise paradiesisch. Wir haben eine Ausbildungsstätte gegründet und eine Schule. Man sieht, was man erreichen kann, wenn man sich die Mühe und die nötigen finanziellen Mittel einbringt.“

Die Benefizveranstaltung „Fußball und Kunst – Stammtisch der Ehrenspielführer und Nationalspieler – gemeinsam auftreten – gemeinsam helfen“ wird im Turnus von zwei Jahren von der DFB-Stiftung Egidius Braun veranstaltet. Die Gala auf dem nördlich von Göttingen gelegenen Gräflichen Landsitz Hardenberg besuchten am Samstagabend 170 Gäste aus Sport, Wirtschaft und Politik. ARD-Journalist Gerhard Delling moderierte den Abend, unter anderem Franz Lambert sorgte für musikalische Unterhaltung. Neben dem Eintritt flossen der Erlös einer Tombola und die Versteigerung eines zeitgenössischen Gemäldes in die Spendengeldkasse.

Karl Rothmund, DFB-Vizepräsident und Geschäftsführender Vorsitzender der Egidius-Braun-Stiftung, erklärt die hohe Verlässlichkeit, mit der die gesammelten Spenden weitergeleitet werden: „Wir geben das Geld nur dorthin, wo wir auch kompetente und vertrauenswürdige Partner vor Ort haben. Und wir treten nie alleine auf, sondern immer als Co-Sponsor mit einer Initiative, die vor Ort beheimatet ist.“

Watzke: In einer neuen Region eine Visitenkarte abgegeben

Wolfgang Watzke, der Geschäftsführer der DFB-Stiftung Egidius Braun, sagt: „Der Stammtisch war wieder eine hervorragende Gelegenheit, in einer neuen Region eine Visitenkarte abzugeben und die Arbeit der Stiftung vorzustellen. Für die Kinder in Not ist das sicher genauso wichtig wie der unmittelbare wirtschaftliche Erlös.“

Das gesammelte Geld geht an kleine Hilfsinitiativen in Deutschland, unter anderem an das Langzeitprojekt „Förderung der künstlerischen Therapien für schwerstkranke Kinder“ in Herdecke im Sauerland. Mit Blick auf den Ausrichter der kommenden Fußball-Weltmeisterschaft wird die Stiftung im kommenden Jahr ein bereits bestehendes, erfolgreich arbeitendes Projekt in Südafrika finanziell fördern. Dabei wird sozial benachteiligten Kindern und Jugendlichen das Zirkushandwerk beigebracht – Jugendliche, von denen einige bereits die Grenze zur Kriminalität überschritten hatten: Sie erlernen Jonglieren, Akrobatik und Trapezartistik, wodurch Selbstbewusstsein, Teamfähigkeit und Disziplin gestärkt werden.

Neben Franz Beckenbauer und Bettina Wiegmann, die zwischen 1989 und 2003 insgesamt 154 Länderspiele bestritt und mit Deutschland bei vier Europameisterschaften und bei der Weltmeisterschaft 2003 in den USA den Titel gewann, sind Uwe Seeler und Lothar Matthäus sowie der 2002 verstorbene Fritz Walter Ehrenspielführer der deutschen Fußball-Nationalmannschaften.

Bekanntestes Engagement der Stiftung ist die Mexiko-Hilfe. Egidius Braun, damals noch Schatzmeister des DFB, hatte die Hilfe 1986 während einer Reise in das mittelamerikanische Land ins Leben gerufen. Dabei gilt das Versprechen von Egidius Braun, dass jeder Spendenbetrag ohne irgendeinen Abzug in den Projekten vor Ort ankommt. Bis heute betreut die DFB-Stiftung Egidius Braun das Kinderheim Casa de Cuna im mexikanischen Queretaro und ein Schwesternheim, das junge, alleinstehende Mütter aufnimmt.

Im Frühjahr 2010 wird die A-Nationalmannschaft ihr traditionelles Benefizspiel zu Gunsten der DFB-Stiftungen im neuen Stadion in Aachen austragen. „Für mich erfüllt sich mit diesem Spiel in meiner Heimatstadt Aachen ein Traum“, sagt Egidius Braun, der im nächsten Jahr seinen 85. Geburtstag feiert.

Braun leitete den Deutschen Fußball-Bund als Präsident von 1992 bis 2001 und stellte dabei die soziale Komponente des Fußballs in den Mittelpunkt seiner Tätigkeit. Er verhalf seinem Credo „Fußball ist mehr als ein 1:0“ zur Bekanntheit in ganz Deutschland. Als DFB-Präsident begründete Braun Patenschaften mit großen Hilfskampagnen wie „Keine Macht den Drogen“ oder „Kinder stark machen“, eine Initiative der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung. Der Deutsche Fußball-Bund hat Egidius Braun im Jahr 2001 mit der Ernennung zum DFB-Ehrenpräsidenten ausgezeichnet.

Auf der Homepage des DFB gibt es einen Videostream.