Egidius Braun 85
27. Februar 2010 Zurück zur Artikelübersicht »
Entdecker der sozialen Komponente
Egidius Braun, Ehrenpräsident des Deutschen Fußball-Bundes, wird heute 85 Jahre alt. Bei all den Lobreden, die auf ihn einprasseln werden, wird wahrscheinlich ein kleines Detail vergessen. Sein Heimatverein, der SV Breinig, feiert in diesem Jahr sein 100-jähriges Bestehen.

Für dessen Festschrift hat Braun ein Grußwort verfasst. Darin heißt es: „Ich habe in unserem Verein immer den Standpunkt vertreten, dass es nicht darauf ankommt, dass man Siege erringt und dass man Erfolge hat, sondern wie man Erfolge hat. Gesagt habe ich diese Sätze schon einmal –vor genau 50 Jahren in meiner Ansprache zum damaligen Jubiläum in meiner Funktion als Vorsitzender des Vereins. Es ist eine Ewigkeit her… aber eine lebendige.“

Eine lebendige Ewigkeit – das ist Egidius Braun. „Fußball mehr als ein 1:0“ – dieser prägnante Slogan wurde von ihm anlässlich des DFB-Bundestages 1995 in Düsseldorf geprägt. Er begründete die dritte Säule des Fußballs, die soziale, gesellschaftspolitische Verantwortung. Er erkannte, dass der DFB angesichts der fortschreitenden Professionalisierung sich nicht mehr auf den Status eines simplen Verbandes von Amateuren zurückziehen konnte. Er übernahm gesellschaftspolitische Verantwortung; er stand dazu und kämpfte für sie.

Der Durchbruch war die Mexico-Hilfe, die 1986 während der WM gegründet wurde. „Wir können nicht sechs Wochen in Queretaro leben und angesichts des Elends zurückreisen, ohne Spuren zu hinterlassen“, war sein Credo. Und die Spieler folgten ihm. Sie spenden noch heute.

Als bei einem Benefizspiel der Nationalmannschaft gegen ausländische Bundesliga-Spieler zugunsten eines rassistischen Attentats der Fiskus 50 Prozent der Einnahmen abgriff, packte Braun der heilige Zorn. Er beauftragte seine damaligen „Sozialminister“ Dr. Theo Zwanziger damit, auszutüfteln, wie das Geld, welches der Fußball für einen sozialen Zweck  einspielt, auch vom Fußball verwaltet werden kann. So entstand 1995 zunächst der DFB-Sportförderverein aus dem 2001 die DFB-Stiftung Egidius Braun entwickelt wurde.

Ja, Braun konnte reizen. Manchmal hat der begeisterte Skatspieler gegen den Bundespräsidenten Johannes Rau – auch ein Liebhaber der 1:2-Situation – einen Grand ohne Vier gewonnen. (Allerdings mit vier Assen und Zehnen).

Und Braun konnte jagen. Das heißt ja auch, geduldig sein.

Er hat bittere Momente erlebt. Die Polemik, weil Berlin bei der EM 88 kein Spielort war. Die Hooligans von Lens. Heute will er vor allem eins: Gesund bleiben. Und sich um seine Stiftung kümmern. Das ist ja nicht nur Mexiko, das sind die Ferien-Freizeiten des DFB für Klubs mit herausragender Jugendarbeit, das sind kleine Einzelmaßnahmen in Deutschland, dass sind Zuschüsse in Osteuropa.

Das nächste Benefizspiel der deutschen Nationalmannschaft findet am 13. Mai in seiner Heimatstadt Aachen im neuen Tivoli statt. Egidius Braun, der um seine Gesundheit kämpft, wird auch dort – wie im alten –seinen Ehrenplatz haben. Und er hat ihn verdient.