Egidius Braun: ,,Breinig ist die Nr. 1 in meinem Herzen”
24. Februar 2015 Zurück zur Artikelübersicht »

Egidius Braun kam im Jahre 1925 in Breinig, heute ein Teil der Stadt Stolberg, zur Welt. Die Liebe zu seiner Frau Marianne führte den DFB-Ehrenpräsidenten Anfang der 1950er-Jahre nach Aachen. Dort ist er bis heute zu Hause. Der Journalist Klaus Pastor beschreibt die Verbundenheit Egidius Brauns zu seiner Heimatregion, dem SV Breinig und zeigt gelungene Beispiele für die regionale Unterstützung der Stiftungsarbeit.

Sein Wirken für den Fußball als Sport und als sozialer Faktor in unserer Gesellschaft ist von großer Nachhaltigkeit. Gleich, welches Amt er innehatte, er war bei allem, was er in den zurückliegenden Jahrzehnten getan hat, auch ein Botschafter unserer Stadt. Aachen ist stolz auf Egidius Braun“, versichert Oberbürgermeister Marcel Philipp. Obwohl sich der vielleicht prominenteste lebende Bürger nie offensiv in die Belange der westlichsten deutschen Großstadt eingemischt hat, wurde ihm 1998 der Ehrenring der Stadt verliehen, eine Auszeichnung, die seit 1972 in unregelmäßigen Abständen vergeben wird.

„Es war eine Würdigung seines Lebenswerks“, erinnert sich Philipps Vorgänger im Amt, Dr. Jürgen Linden. „Egidius Braun ist eine Persönlichkeit, die zeitlebens über den Tellerrand hinausgeschaut hat. Sein Weitblick war stets gepaart mit einem hohen sozialen Engagement für die Kleinen und Schwachen.“

Braun-SW-SLinden, seit Errichtung der nach Braun benannten DFB-Stiftung auch Kuratoriumsmitglied, führt als Beispiel den Kampf um eine Sportstättengebühr an, die die Stadt den Vereinen in den 1980er-Jahren auferlegen wollte. Eine Art Miete, gegen die der damalige DFB-Schatzmeister an der Seite der lokalen Vereine zu Felde zog. „Da konnte jeder den wahren Egidius Braun kennenlernen. Taktisch gewieft und argumentativ bestens vorbereitet, hat er allen Ratsmitgliedern vor Augen geführt, wie wichtig die Vereine und deren soziale Aufgaben sind“, so Linden. Die Gebühr wurde vom Tisch gefegt und bis heute nicht mehr auf die Tagesordnung gehoben. Das Einzige, was die Vereine zwischenzeitlich schlucken mussten, ist ein Energiekostenbeitrag. In Zeiten klammer kommunaler Kassen wohl unabwendbar.

Brauns Wirken war natürlich nicht nur in der Stadt zu spüren. Wenn er Aachen sagt, meint er die ganze Region und dort speziell den SV Breinig. Seinen Verein. „Dieser Klub ist und bleibt immer die Nummer 1 in meinem Herzen“, gesteht Braun selber, und seine Frau Marianne ergänzt schmunzelnd: „Wer bei uns zu Besuch kam und nicht wusste, wo Breinig liegt, hatte direkt schlechte Karten bei meinem Mann.“

Für alle, die dringend eine Wissenslücke füllen müssen: „Der SV Breinig 1910 ist einer von vielen Sportvereinen im Dreiländereck bei Aachen. Dank seinem prominenten Mitglied Egidius Braun ist der SV Breinig 1910 allerdings die bundesweit bekannteste Adresse im Fußball-Amateurlager. Denn immer wenn es sich ergibt, und dafür sorgt er schon, streut der jetzige DFB-Ehrenpräsident einen Hinweis auf die Idylle seines Heimatklubs ein, wo er als Teenager den geraden Schuss und den klassischen Kopfball erlernte.“ So nachzulesen auf der offiziellen DFB-Homepage.

SVB ist Familienangelegenheit

Schon Brauns Vater Jakob war 40 Jahre lang Vorsitzender des Vereins. Er trug den kleinen Edi auf den Schultern zu den Spielen. 1938 wurde der selber Vereinsmitglied. Fußballerisches Talent brachte der 13-Jährige mit, wurde sogar an der Seite des späteren Bundestrainers Jupp Derwall, der im benachbarten Würselen spielte, in die Kreisauswahl berufen. Als rechter Läufer oder Rechtsaußen fegte er über die Aschenplätze. Nach dem Krieg gehörte er zur Stammelf der 1. Mannschaft des SV. Doch schon früh zeichnete sich eine Funktionärskarriere ab. Bereits mit 31 folgte er 1956 seinem Vater erstmals für drei Jahre als 1. Vorsitzender des Vereins. Nach Unterbrechungen ließ er sich noch zwei weitere Male an die Spitze stellen, ehe er 1971 zum Vorsitzenden des Fußballkreises Aachen gewählt wurde.

„Edi Braun ist in seinem Herzen immer Breiniger und immer SVer“, bestätigt Dieter Jollet, jahrelang Vereinsvorsitzender und damit einer seiner „Erben“. Jollet weiß, was der Verein „seinem Edi“ zu verdanken hat: „Durch seine Vermittlung konnten wir namhafte Bundesligisten wie den 1. FC Köln, Schalke 04, Bayer Leverkusen und Borussia Dortmund zu Freundschaftsspielen auf Schützheide begrüßen. Sogar die Nationalmannschaft hat hier trainiert. Bei Problemen hatte er immer ein offenes Ohr für uns. Er konnte den Verein aber auch immer wieder motivieren, sich sozial zu engagieren.“

Nach Aachen der Liebe wegen

So viel ist also klar: Breinig, das nach der kommunalen Neugliederung Mitte der 1970er-Jahre Teil der Stadt Stolberg wurde, ist Brauns Geburtsort und sportliche Heimat. Aachener wurde Egidius Braun der Liebe wegen. Als er 1950 seine Frau Marianne kennenlernte und ein Jahr später heiratete, bezogen sie eine 44 Quadratmeter große Wohnung am Krugenofen, in der auch Sohn Rolf aufwuchs. „Unglaublich, wie wir auf so engem Raum klargekommen sind“, wundert sich Marianne Braun heute über die Anfänge ihrer nunmehr 63-jährigen Ehe.

Die Kriegswirren haben indirekt dafür gesorgt, dass Egidius Braun auch seine berufliche Existenz in Aachen aufbauen konnte. Dem Abitur 1943 in Alsdorf waren Kriegseinsätze in Russland und Österreich gefolgt, bevor der junge Leutnant schließlich an die Heimatfront bei Langerwehe beordert wurde. Nach kurzer Gefangenschaft wurde er als Treuhänder und sogenannter Gruppenverteiler für Kartoffeln, das Grundnahrungsmittel für die notleidende Bevölkerung, eingesetzt. Dabei entdeckte er seine unternehmerischen Fähigkeiten. Statt eines Chemiestudiums gründete er eine Im- und Exportfirma für landwirtschaftliche Produkte. „Wir haben mit einem einzigen gebrauchten Lkw angefangen, der irgendwie vom Optimismus zusammengehalten wurde“, erinnert sich Egidius Braun an die ersten Jahre. „Aber das Geschäft lief von Anfang an gut.“

„Kartoffel-Braun“ entwickelte sich schnell zum größten Unternehmen seiner Art in Westdeutschland und sicherte der jungen Familie, die mit der Geburt des zweiten Sohnes Ferdy auf vier Köpfe angewachsen war, ein gutes Auskommen. 1971 gab es dann ein Kaufangebot, das Egidius Braun nach der zweiten Verhandlungsrunde nicht ausschlagen konnte. Per Handschlag wurde der Verkauf besiegelt. „Ich habe es bis zur notariellen Unterschrift nicht glauben können. Aber so war mein Mann“, sagt Marianne Braun mit ein wenig Wehmut in der Stimme.

Glücksfall für den Fußball

Die Entscheidung entwickelte sich zum Glücksfall für den Fußball. Parallel zur beruflichen Umorientierung – Braun arbeitet fortan als Unternehmensberater und studiert Philosophie – beginnt seine große Funktionärslaufbahn: 1971 Vorsitzender des Fußballkreises Aachen, 1973 Vorsitzender des Fußball-Verbandes Mittelrhein und zugleich stellvertretender Vorsitzender des Westdeutschen Fußballverbandes, 1977 schließlich DFB-Schatzmeister.Bei aller Zielstrebigkeit entwickelt er sich zum Sportfunktionär der etwas anderen Art. Er erschließt dem DFB bis dahin kaum für möglich gehaltene finanzielle Ressourcen und entwickelt im größten deutschen Einzelsportverband zugleich ein ebenso unbekanntes Gefühl für die soziale Verantwortung. „Fußball – Mehr als ein 1:0!“ wird zum Credo des Mannes, der die Basis nie aus den Augen verlieren wird. Ob bei der UEFA, beim DFB oder an der Basis, Egidius Braun trat stets für seine Ziele ein. „Ich habe ihn oft bei Kreis- oder Verbandstagen erlebt, auf denen er unermüdlich in seinen Reden dafür geworben hat, die Angst vor dem Fremden abzustreifen und ausländische Spieler mit offenen Armen aufzunehmen“, berichtet Jürgen Linden. Integration sei die beste Sozialvorsorge, predigte Braun von Beginn an. Der Integration folgte später die Inklusion.

Fünf Beispiele

Braun besaß zudem die Fähigkeit, die große Sportbühne mit der Basis zu verbinden. Als er bei der Fußball-Weltmeisterschaft 1986 in Mexiko Delegationsleiter war, besuchte er wie selbstverständlich mit den Nationalspielern ein Waisenhaus in der Großstadt Querétaro. Not sehen und helfen war für ihn ein und dasselbe. Die Hilfe in Form einer ersten Spende von Rudi Völler über 5.000 D-Mark für die „Casa de Cuna –
Oasis del Nino“ war nur der Ausgangspunkt. Über viele lokale Aktionen mündete der Weg 2001 in die Errichtung der Stiftung, die den Namen „Egidius Braun“ trägt und ihren Sitz in Aachen hat. Wo auch sonst?! Natürlich wird im Westen der Republik viel für die Stiftung im Allgemeinen und für die 1986 auf den Weg gebrachte „Mexico-Hilfe“ im Besonderen getan. Und natürlich spielt die enge Beziehung zu Egidius Braun dabei stets eine entscheidende Rolle. Beispiele gefällig?

Jubiläumsturnier

Da wäre an erster Stelle selbstverständlich der SV Breinig zu nennen. 2014 veranstaltete der Klub zum 25. Mal sein „Mexico-Hilfe“-Turnier.

Scheckübergabe an Herrn Braun

Scheckübergabe an Herrn Braun

58 Vereine mit rund 600 Kindern gingen diesmal an den Start. Keine Frage, dass auch Egidius Braun vorbeischaute, ebenso wie die ehemaligen Nationalspieler des 1. FC Köln Wolfgang Weber und Bernd Cullmann.

Breinigs Jugendleiter Thomas Menke durfte sich zudem über den Besuch von Georg Behlau freuen. Der Leiter des Büros der Nationalmannschaft ist in Stolberg aufgewachsen und erzählte den staunenden Kids von seinen Erlebnissen beim Gewinn der Weltmeisterschaft in Brasilien, aber auch von der Armut, die dort herrscht. Natürlich kam Behlau nicht mit leeren Händen und bestückte die Tombola mit einem Trikot mit den Originalunterschriften aller Weltmeister von Rio.

Golfen für einen guten Zweck

Ständig zu Gast ist das Ehepaar Braun auch bei einem Golfturnier, das alljährlich auf der Anlage Haus Kambach im benachbarten Eschweiler ausgetragen wird. Unterstützt wird der „Egidius-Braun-Pokal“ (kurz EBP) seit seinen Anfängen im Jahr 2001 von den ehemaligen Gladbacher Stars Rainer Bonhof und Horst Wohlers. „Es macht Jahr für Jahr Riesenspaß und ist alles andere als eine Last“, versichert Horst Wohlers, der in all den Jahren nur ein einziges Turnier verpasste. Auch viele andere Ex-Profis verbinden ihr Hobby gerne mit der guten Tat und einem Wiedersehen mit Brauns. So schlugen unter anderem Karl-Heinz Thielen, Klaus Fischer, Christian Hochstätter, Hannes Löhr oder Oliver Bierhoff auf der malerischen Anlage vor dem historischen Wasserschloss ab.

Zwischen 15.000 und 20.000 Euro konnte Kambachs Geschäftsführer Hubertus Kühne nach den letzten Turnieren stets überweisen. „Aktivitäten wie das Golfturnier sind uns besonders wichtig, weil sie einen verlässlichen Geldfluss darstellen“, erklärt Wolfgang Watzke, Geschäftsführer der Stiftung. Dabei kommt es ihm keineswegs auf die Höhe der jährlichen Überweisung an, sondern auf die Kontinuität. Diese drückt sich bei den Eschweiler Golfern darin aus, dass sie seit zwei Jahren ihr eigenes Projekt in Mexiko unterstützen. Ausgesucht haben sie sich die Schule La Barranca in Guadalajara. „Um Jahr für Jahr die Teilnehmer zu motivieren, weiter am Ball zu bleiben, ist es gut, wenn man berichten kann, was mit den gespendeten Geldern passiert“, glaubt Burghard von Reumont, einer der Organisatoren, die Stiftungsgeschichte geschrieben haben. 2001 haben die Golfer die allererste Spendenüberweisung an die damals gerade errichtete DFB-Stiftung Egidius Braun getätigt. Es waren exakt 17.000 D-Mark.

Und Pläne für die Zukunft gibt es auch schon. Am Freitag, 12. Juni 2015, findet die 15. EBP-Auflage statt. Bis zum kleinen Jubiläum drei Monate nach dem 90. Geburtstag des Namensgebers sollen drei oder vier Profivereine gefunden werden, die mit je zwei Ex-Profis eine Art Beirat bilden. Die Vereine sollen dann reihum die Federführung für das Turnier übernehmen. „Wir wollen damit das Turnier ganz eng mit dem Fußball verknüpfen“, erläutert Hubertus Kühne den Plan.

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Egidius-Braun-Pokal auf der Haus Kambach Anlage in Eschweiler

Stars von A bis Z

Fußballstars der Güteklasse A standen jahrelang bei der Sportler-Gala des Zeitungsverlags Aachen im Mittelpunkt. Zwischen 1990 und 2010 sorgten sie von A wie Rudi Assauer bis Z wie Dr. Theo Zwanziger dafür, dass die regionalen Sportler, die zuvor von den Lesern der Aachener Zeitung und den Aachener Nachrichten gewählt worden waren, geehrt wurden. Dafür ging der mittels Sponsorenbeiträgen, Eintrittsgeldern und Spenden erzielte Überschuss der Veranstaltung an die „Mexico-Hilfe“.

Antreten musste alles, was Rang und Namen hatte: Franz Beckenbauer, Lothar Matthäus, Günter Netzer. „Es war sicher die Aktion mit der größten Aufmerksamkeit“, glaubt Radsport-Olympiasieger Olaf Ludwig. Der Thüringer, der nach der Wende im Grenzland heimisch wurde, wurde selbst dreimal zum „Sportler des Jahres“ gewählt, bevor der mehrfache Etappensieger bei der Tour de France in die Jury berufen wurde, die die lokalen Athleten für die jährliche Wahl aussuchte.

Mit der Wahl 2010 fand die Gala zum letzten Mal statt. Nach der 21-jährigen Zusammenarbeit mit dem DFB wurde sie im gegenseitigen Einvernehmen durch eine andere Veranstaltung des Zeitungsverlags ersetzt. Weiterhin verleiht der ZVA den „Egidius-Braun-Preis“, eine Auszeichnung für verdiente Ehrenamtler, ganz im Sinne des Namensgebers. Die Ehrung ist nicht allein Fußballern vorbehalten, sondern kann an jeden verliehen werden, der sich „weit über das Normalmaß hinaus engagiert“ und dabei nicht regelmäßig im Licht der Öffentlichkeit steht.

Den „Egidius-Braun-Preis 2014“ erhält Karl-Heinz Tinnemann von der DJK Elmar Kohlscheid. Für den Leichtathletik-Klub setzt er sich seit mehr als vier Jahrzehnten ein, machte ihn zu dem, was er heute in Kohlscheid ist: eine feste Größe. Als er erstmals die Verantwortung übernahm, zählte die dahinsiechende Leichtathletik-Abteilung gerade noch 15 Mitglieder. Heute sind es stolze 480. Ein Engagement ganz im Sinne von Egidius Braun. Der Verein als integrativer sozialer Faktor.

Historische Fahrt

Ganz ohne Stars ans (Spenden-)Ziel kommt die Radsportgruppe Breinig. 1996 vom zwischenzeitlich verstorbenen damaligen Jugendleiter des SV Breinig, Gerd Lützler, gegründet, strampeln begeisterte Freizeitsportler einmal im Monat nach Köln. Ziel ist der Dom. Das sind 150 Kilometer. 75 hin, 75 zurück. Im Schnitt nehmen gut 30 Teilnehmer die Strapazen auf sich. Anfangs zahlten die Radsportler zehn Pfennige pro Kilometer. Später wurde in Cent umgerechnet und heute gibt fast jeder pauschal zehn Euro für die Tour. „Quälen und zahlen“ lautet das Motto.

Am 6. September 2014 fand eine historische Fahrt statt. 58 Männer und Frauen trafen sich zur 177. Tour, bei der die 100.000-Euro-Grenze durchbrochen wurde. „Sensationell“, schwärmt Herbert Meier, Sprecher der Gruppe, der ein Nachlassen beim Einsatz für die eigene Fitness und für das Wohl von Kindern in Mexiko nicht erkennen kann. Es sind die Kinder von Egidius Braun, denn alle Spenden gehen an die „Casa de Cuna“, die Keimzelle der „Mexico-Hilfe“.

In den zurückliegenden 18 Jahren haben rund 500 verschiedene Personen in die Pedale getreten. Eine genauere Zahl gibt die Statistik nicht her. Wohl aber zu den „Spitzenreitern“. „Männ“ Moers, lange Zeit die treibende Kraft und so etwas wie der „Mister Radsport“, liegt mit 168 Teilnahmen unangefochten vorne. Auf über 100 Ritte an den Rhein kommen zudem Norbert Steffens (116), Josef Schmitz (112) und Gabi Webers (110) als eifrigste Frau. Herbert Meier selbst hat es bislang auf 96 Teilnahmen gebracht.

2008 sind 22 Mitglieder der Gruppe persönlich nach Mexiko gereist, um sich vor Ort über den Zustand der „Casa de Cuna“ zu informieren. „Eine beeindruckende Erfahrung“, fühlte sich Herbert Meier danach in seinem Tun gestärkt. „Wir haben dort wirklich etwas bewirkt.“

Bei der Rekordtour Anfang September gab es auf der Domplatte einen „großen Bahnhof“. Das Geläut der Kirchenglocken passte zur Ankunft der Breiniger Pedalritter, von denen jeder einzelne einen Orden verdient hätte. Jeder strahlte mit der Sonne um die Wette, als Wolfgang Watzke die Truppe in Empfang nahm. Neben den besten Grüßen von Marianne und Egidius Braun gab es eine Urkunde der Stiftung als Anerkennung für diesen „18 Jahre währenden kontinuierlichen Kraftakt“. Das Gegenstück auf Spanisch hängt in der „Casa de Cuna – Oasis del Nino“ in Querétaro.

Schwergewicht als Partner

Die Partnerschaft mit dem Kindermissionswerk „Die Sternsinger“ geht auf eine Initiative von Prälat Arnold Poll im Jahr 1994 zurück. In einem grundlegenden Gespräch begeisterte der engagierte Kirchenmann den gläubigen Christen Braun für eine Zusammenarbeit, bei der Kinder Brücken zwischen Arm und Reich bauen. Braun selber benutzte damals den in der Wirtschaft gebräuchlichen Begriff „Joint Venture“ –
ein gemeinsames Vorhaben, in dem auch ein Stück Wagnis steckt. Zwischen Poll und Braun stimmt die Chemie und so entwickeln beide gemeinsame Unternehmungen zugunsten Bedürftiger in der ganzen Welt. Projekte in Rumänien oder Bulgarien werden sogar zum Teil von der UEFA mitgetragen. „Eine wunderbare Zusammenarbeit“, schwärmt Egidius Braun noch heute.

Bierhoff-Braun-SDie beiden Männer produzieren für die Sternsinger-Aktion Fernsehspots mit Berti Vogts und Oliver Bierhoff, sie treten Seite an Seite bei Veranstaltungen auf und halten zusammen Pressekonferenzen ab. Und sie feiern gemeinsame Gottesdienste: der DFB-Präsident an der Orgel, der Prälat am Altar. Das, was Poll und Braun einst gesät haben, verspricht bis heute gute Ernten. Weit über 100 Kinderhilfsprojekte mit einem Volumen von mehr als sechs Millionen Euro wurden in der Zwischenzeit weltweit realisiert. Der Fokus mit rund drei Millionen Euro liegt auf Lateinamerika, gefolgt von Asien und Osteuropa. Inhaltlich geht es dabei primär um Bildung, aber auch um die soziale Integration von Kindern, vor allem von jenen mit Behinderungen.

„Die Kooperation zwischen der DFB-Stiftung Egidius Braun und den Sternsingern ist nicht nur eine Win-win-Situation für die beiden Organisationen, sondern vor allem ein Erfolgsmodell für die Kinder in der Welt. Wir sind den beiden Initiatoren dieser Kooperation äußerst dankbar, aber auch den jetzigen vielen Unterstützern“, fasst Geschäftsführer Dr. Gotthard Kleine die Zusammenarbeit des katholischen Missionswerkes mit der Stiftung des größten deutschen Einzelsportverbandes zusammen.

Das Kindermissionswerk „Die Sternsinger“ ist unter den Partnern der DFB-Stiftung ein echtes Schwergewicht. Als Faustregel gilt: Jeden Euro, den die Stiftung in ein Projekt einbringt, verdoppeln die Sternsinger. Dr. Kleine spricht von einem „gelungenen Doppelpass“. „Wir freuen uns, dass wir mit der Stiftung des DFB einen Partner an unserer Seite wissen, der selbst ein hohes Maß an Struktur, an Kontakten und Professionalität mitbringt. Das Kindermissionswerk seinerseits bringt seine Fachlichkeit in Sachen Projektarbeit in der Einen Welt mit in die Kooperation. Aus dieser guten Zusammenarbeit hat sich ein hohes Maß an gegenseitigem Vertrauen entwickelt. Darüber hinaus freue ich mich, dass ich auch als Mitglied im Kuratorium der Stiftung zu der gelungenen Partnerschaft beitragen kann“, so Dr. Gotthard Kleine weiter.

Kein Mitglied im Wanderzirkus

Fünf prägnante Beispiele für die Unterstützung „seiner Kinder“. Alle wurden mithilfe seiner Person angeschoben. Egidius Braun besitzt die Gabe, Menschen in seinem persönlichen Umfeld zu motivieren, Gutes zu tun. Das trifft natürlich in seiner Heimat in einem besonderen Maß zu. Eine Liste mit großen und vor allem kleinen Spenden ließe sich beliebig fortsetzen.

Darüber hinaus trat und tritt Egidius Braun stets dezent in und um Aachen auf. Er wollte nie zum „Wanderzirkus“ der Entscheider gehören, die sich wöchentlich auf den wichtigen und weniger wichtigen Veranstaltungen der Region treffen. Es war niemals sein Ziel, die Schlagzeilen der Regionalmedien zu beherrschen. Er reklamierte keine Sonderrechte für sich.

Fast nicht, denn ein Platz, den er beanspruchte, entwickelte sich zum Kultort. Auf dem alten Tivoli saß er jahrelang mit seinem Jägerhut auf einer kleinen Bank am Spielfeldrand. Weshalb, weiß heute keiner so recht. Es war einfach so. Die Bank ist übrigens nach Dortmund gewandert und wird dort im neuen DFB-Fußballmuseum zu sehen sein, das im Jahr 2015 seine Pforten öffnet.

Eine offizielle Funktion hat er bei der Alemannia nie wahrgenommen. „Er war aber immer da, wenn wir ihn gebraucht haben“, versichert Dr. Jürgen Linden, nicht nur 20 Jahre Aachens Oberbürgermeister, sondern auch jahrelang Aufsichtsratsvorsitzender der Alemannia, und erinnert an die vielen Krisensituationen des Vereins und dabei vor allem an Brauns Rolle bei der Gründung des Notvorstandes, als der Traditionsverein wieder einmal kurz vor der Pleite stand.

Zu sehen war Braun – auch als DFB-Präsident – häufig bei Amateurspielen, nicht nur bei seinem SV Breinig. Auch beim VfB 08, wo sein Enkel gespielt hat, bei Borussia Brand oder Westwacht Aachen stand er häufig am Spielfeldrand. Er war immer da, wenn etwas los war.

Viele Hobbys

Leidenschaft entwickelt Egidius Braun besonders bei seinen Hobbys neben dem Fußball. So manche Skatrunde mit Freunden endete erst in den Nachtstunden – wenn er endlich gewonnen hatte. Treffsicherheit zeichnete den Jäger Egidius Braun aus. Das „Kitzenhaus“ war mehr Wohn- als Jagdhaus. So manch prominenter Gesprächspartner wurde dorthin einbestellt. Und last not least ist es die Musik, die Egidius Braun bis heute fesselt. Während er in jungen Jahren in Tanzkapellen mit dem Akkordeon oder am Klavier etwas Geld dazuverdiente, widmet er sich heute oft stundenlang der Klassik.

Wer ihn sonntags nicht bei einem Fußballspiel traf, konnte es stattdessen in der Messe versuchen. Im Kloster der Augustinerinnen im Nachbarort Walheim sah und hörte man ihn des Öfteren an der Orgel.

Neues Miteinander

Wenn nicht in Aachen, wo sonst hätte der „Lokalfürst“ auch über Staatsgrenzen hinweg wirken können? Im Dreiländereck Aachen-Maastricht-Lüttich vermittelte er schon in den 1970er-Jahren zahlreiche Kontakte nach Holland und Belgien. Internationale Jugendturniere waren an der Tagesordnung. Besonders die deutsch-niederländischen Animositäten, wenn es um Fußball ging, versuchte er zu entkrampfen. Sie entsprachen so gar nicht der Weltoffenheit des Rheinländers.

Mithilfe der engen Freundschaft zu Jeu Sprengers, dem legendären Präsidenten des Königlich Niederländischen FußballverbandesKNVB (1993 – 2008), kam es sogar zu einem offiziellen Freundschaftsvertrag zwischen DFB und KNVB, der sowohl im Staatensaal in Maastricht als auch im Aachener Rathaus unterzeichnet wurde. Sprengers stammte aus dem grenznahen Venlo und war ebenfalls eine rheinische Frohnatur. Auch er wollte die Rivalität beider Teams eindämmen. Weiteres sichtbares Zeichen eines neuen Miteinanders war eine von Sprengers und Braun initiierte Neuauflage des WM-End-spiels von 1974, das 1995 auf dem Tivoli stattfand.

Eine große Bewegung

Wegen seiner Heimatverbundenheit, seiner Frömmigkeit und seines sozialen Engagements ist „der Mann aus Breinig“ oft als „Pater Braun“ belächelt worden. Weltmännisches Auftreten beim UEFA-Kongress und eine flammende Rede beim Kreistag, das passte für viele nicht recht zusammen.Weshalb besucht einer der mächtigsten deutschen Sportfunktionäre ein Lokalderby in der Bezirksliga Aachen genauso gerne wie ein Champions-League-Spiel? Auf diese Frage hat vielleicht Karl-Josef Tanas, der langjährige Vorsitzende des Fußball-Verbandes Mittelrhein, die plausibelste Antwort gefunden. Fußball, so Tanas, sei für Braun eine große Bewegung von Menschen, die miteinander in diesem Sport ein Stück Heimat und Lebensqualität gefunden hätten, das sie mitgestalten können. Dieses Miteinander und Mitgestalten finde vornehmlich in den Vereinen statt. „Hier liegt die Kraft der ganzen Bewegung. Darum war und ist Egidius Braun der SV Breinig so wichtig.“

Egidius Braun 1 - Foto Ronald Friese GA Bonn