Maria Seifert: Neuer Angriff auf Edelmetall in Rio
25. September 2015 Zurück zur Artikelübersicht »

Eine der Nachwuchssportlerinnen, die im Rahmen der Nachwuchseliteförderung paralympisch durch die DFB-Stiftung Egidius Braun und die Deutsche Sporthilfe unterstützt werden, ist Maria Seifert aus Erfurt (Thüringen). Die 24-jährige Kinderpflegerin zählt zu den talentiertesten paralympischen Leichtathletinnen in Deutschland. Ihr Ziel ist es, im Sommer 2016 bei den Paralympics in Rio de Janeiro dabei zu sein. Zuerst geht es aber im Oktober zur WM nach Katar. Rainer Kalb stellt die Spitzensportlerin vor.

2012 London Paralympics - Day 7 - AthleticsDie Szene von London 2012 ist vielleicht noch einigen im Gedächtnis. Bei den Paralympics in der britischen Hauptstadt kämpft die deutsche Medaillenhoffnung Maria Seifert im 100-Meter-Sprint um Edelmetall. Die Silbermedaillen-Gewinnerin von Peking 2008 gehört wieder zu den Schnellsten im Feld, doch diesmal muss sie der Goldmedaillen-Gewinnerin Mandy Francois-Elie aus Frankreich (14,08 Sekunden) und Johanna Benson aus Namibia (14,23 Sekunden) klar den Vortritt lassen. Doch mit ihrer Zeit von 14,37 Sekunden hat die rechtsseitig gelähmte Erfurterin im Duell mit der Tunesierin Neda Bahi die Chance auf Bronze.

Beide Sprinterinnen erreichen fast zeitgleich das Ziel, mit bloßem Auge ist keine Entscheidung zu erkennen. Das Zielfoto muss längere Zeit ausgewertet werden, nach quälend langen Minuten wird in einer Millimeter-Entscheidung die Nordafrikanerin mit einer Hundertstelsekunde Vorsprung zur Bronzemedaillen-Gewinnerin erklärt. Bei Maria Seifert kullern Tränen, doch die Athletin kann sich in London mit Bronze im 200-Meter-Sprint trösten, wenngleich sie zu gerne auch über 100 Meter wieder auf dem Treppchen gestanden hätte.

Im nächsten Jahr bei den Paralympics in Rio de Janeiro will die 24-Jährige, die schon vor sieben Jahren in Peking erstmals bei den Spielen dabei war und jeweils Silber über 100 Meter und 200 Meter gewann, wieder in den Kampf um Edelmetall eingreifen. Die junge Thüringerin gehört auf jeden Fall wieder zum erweiterten Favoritenkreis. Bei den Europameisterschaften im vergangenen Jahr holte sie Bronze über 100 Meter, bei den Weltmeisterschaften 2013 sprang sogar Silber über diese Distanz heraus. Dafür reichte es über 200 Meter diesmal nur zu Rang sechs.

Dritte Paralympics-Teilnahme ist das Ziel

Maria Seifert, die eine Ausbildung als Kinderpflegerin absolviert hat, wird von der DFB Stiftung Egidius Braun im Rahmen der Nachwuchseliteförderung paralympisch zusammen mit der Deutschen Sporthilfe unterstützt, um ihren Traum von neuerlichem Edelmetall an der Copacabana zu verwirklichen. Früher war sie vor den Rennen immer unglaublich nervös, konnte kaum etwas essen und trinken. Diese Nervosität hat sie mittlerweile im Griff. „Ein Psychologe hat mir geholfen, mental stärker zu werden“, berichtet sie. Ein festes Ritual ist immer noch die Musik: „Ganz laute Musik auf‘s Ohr muss einfach sein.“

Gern erinnert sie sich an ihre ersten Paralympics 2008 im Reich der Mitte. Das „Küken“ hatte eigentlich so keiner richtig auf der Rechnung. Maria Seifert überraschte mit Doppel-Silber sich und die Konkurrenz. Inzwischen ist die Ausgangslage eine andere, aufgrund ihrer Erfolge hat sie sich längst im Starterfeld etabliert. Und sie hat daran gearbeitet, noch konzentrierter in den Wettkampf zu gehen.

Im nächsten Jahr bei den Paralympics in Rio de Janeiro will Maria Seifert wieder in den Kampf um Edelmetall eingreifen

Im nächsten Jahr bei den Paralympics in Rio de Janeiro will Maria Seifert wieder in den Kampf um Edelmetall eingreifen

Natürlich hat sie die Leichtathletik-Weltmeisterschaft im Vogelnest in Peking im August 2015 im Fernsehen verfolgt. Auch das große Duell der Sprint-Superstars Usain Bolt (Jamaika) und Justin Gatlin (USA), das jeweils der jamaikanische Weltrekordler zu seinen Gunsten entschied. „Ich habe mehr mit Bolt gehalten und mich über den Ausgang und den Sieg von Usain Bolt gefreut“, sagt Seifert.

Die Bilder aus der Arena in der chinesischen Hauptstadt, die ihren Spitznamen ihrer Architektur in Anlehnung an ein Vogelnest verdankt, lösen zwiespältige Gefühle bei den Erfurterin aus: „Das ist einerseits komisch, andererseits aber auch schön, denn dort auf dieser Bahn bin ich selbst gelaufen und diese Erinnerungen kommen jetzt wieder hoch.“ Damals ist sie als junge Läuferin ganz unbeschwert und locker an den Start gegangen. „Jetzt ist das anders, der Druck ist schon da“, gesteht sie, „einfacher war es, als dieser Druck noch nicht da war.“

WM in Katar nächste Herausforderung

Hinzu kommt, dass ein neuer Lebensabschnitt für sie begonnen hat. Seit dem 1. August 2015 arbeitet sie nach erfolgreichem Abschluss ihrer Ausbildung nunmehr als Kinderpflegerin. „Ich war im Prüfungsstress und stehe jetzt mitten im Berufsleben. Das ist schon etwas anderes. Daran muss ich mich erstmal gewöhnen“, berichtet Maria Seifert, „deshalb ist die Form im Augenblick nicht so gut.“

Aber das soll sich schnell wieder ändern, denn im Oktober stehen in Katar am Persischen Golf die Weltmeisterschaften auf dem Programm. Dort will sie wieder vorne mitmischen und eine Empfehlung für die Paralympics in Rio abgeben. Die Emirate haben es der Sprinterin sehr angetan. „Ich fühle mich dort sehr wohl, die Menschen sind sehr freundlich“, sagt sie. Froh ist sie über die Unterstützung der DFB-Stiftung: „Ich werde mit Anziehsachen, Finanzmitteln und Trainingskleidung unterstützt. Das ist sehr freundlich und hilfreich.“ Eine Unterstützung für eine junge, sympathische Spitzensportlerin.

Weitere Informationen zur Nachwuchseliteförderung paralympisch: Hier