2:0 für ein Willkommen: Zuwanderer-Projekt „Fußball verbindet“ der SG Aumund-Vegesack
10. März 2017 Zurück zur Artikelübersicht »

Tradition wird bei der Sportgemeinschaft Aumund-Vegesack im Bremer Norden großgeschrieben. Schon 1892 wurde der Verein gegründet, hat rund 1.800 Mitglieder. Die Nummer eins an der Weser ist zwar selbstverständlich Werder Bremen, doch auch in Aumund-Vegesack ist man kreativ, wenn es darum geht, Zuwanderer zu integrieren. Das Projekt „Fußball verbindet“, vor 21 Monaten aus der Taufe gehoben, hat sich als voller Erfolg entpuppt. Rainer Kalb kennt die Details.

Schon im Juni 2015 wurde der Antrag der Hanseaten zum „1:0 für ein Willkommen“ positiv beschieden. „Die 500 Euro waren damals unsere erste Unterstützung“, berichtet der umtriebige Pressewart Holger Franz. Und auch jetzt beim Nachfolgeprojekt „2:0 für ein Willkommen“ ging kein Weg an der SAV vorbei.

Fußball interessierte Flüchtlinge haben die Möglichkeit, an einem offenen Training teilzunehmen. 15 bis 25 nehmen das Angebot in Anspruch. Aber der sportliche Aspekt ist nicht alles; der Verein unterstützt die Zuwanderer bei der Suche nach Ausbildungs- und Praktikumsplätzen. Trainer Sabri Mrad, ein Nordafrikaner, der vier Sprachen fließend beherrscht, hat sich der Flüchtlingsgruppe angenommen.

 

2:0 für ein Willkommen – Scheckübergabe in Bremen mit BFV-Vizepräsident Dieter Stumpe (Mitte), Trainer Sabri Mrad (rechts) und Sport- und Pressewart Holger Franz

Jeden Freitag wird auf dem Kunstrasenplatz im Vegesacker Stadion gespielt. Auf Initiative von Holger Franz wurde unter anderem mit dem SV Werder, aber auch anderen Projektpartnern, ein Konzept für den Verein entwickelt und dann auch rasch umgesetzt. Die Spieler, die sich immer freitags auf dem Platz tummeln, sind zwischen 15 und 47 Jahre alt.

Fußball verbindet – eine großartige Erfahrung

Viele kommen aus der nahen Flüchtlingswohnanlage, wobei inzwischen alle in feste eigene Wohnungen umgezogen sind. Per Mundpropaganda hat sich das Projekt in ganz Bremen herumgesprochen; kommen auch Fußballer aus anderen Bremer Einrichtungen zur SVA. Dabei nehmen die Spieler auch längere Bus- oder Zugfahrten auf sich. „Es macht große Freude zu sehen, mit wie viel Eifer die Jungs bei der Sache sind. Fußball verbindet, dieses Motto ist keine Floskel, sondern eine großartige Erfahrung“, betont Coach Mrad, der außer Deutsch auch Arabisch, Französisch und Englisch beherrscht, was wirklich kein Nachteil ist.

Während er zu Beginn der Initiative im Sommer 2015 noch meistens die Kommandos in diversen Sprache von sich geben musste, ist jetzt Deutsch die beherrschende Sprache auf dem Platz und für jeden in der Regel auch verständlich. Hier zeigt sich wieder, dass die Sprache natürlich eine wichtige Voraussetzung für eine erfolgreiche Integration ist. Das Einleben in einen neuen Kulturkreis wird selbstverständlich dadurch sehr erleichtert. „Mit dem Sportangebot für Flüchtlinge kommen wir unserer sozialen Aufgabe mehr denn je nach“, betont Holger Franz, „die Flüchtlinge sind schnell in unseren Verein integriert worden. Einige Teilnehmer spielen bereits in anderen SAV-Teams im geregelten Spielbetrieb um Punkte mit.“

Unterstützung bei der Suche nach Ausbildungs- und Praktikumsplätzen

Und die Erfolge kommen ebenfalls nicht zu kurz. Anfang Oktober 2016 setzte sich das Team bei der „1. offenen Norddeutschen Fußballmeisterschaft für Flüchtlings-Initiativen“ durch. Anwesend bei der Veranstaltung in Bremen-Blumenthal waren damals unter anderem DFB-Vizepräsident Eugen Gehlenborg sowie der Präsident des Bremer Fußball-Verbandes (BFV) und Schirmherr, Björn Fecker.

Mitte November 2016 sprang beim Turnier des Partners SV Werder um den „3. Spielraum Freunde Cup“ ebenfalls der erste Rang heraus. Besonders erfreulich ist, dass die neue Spielgemeinschaft ins Vereinsleben total integriert werden konnte. „Ein harmonisches Miteinander auf und neben dem Platz zwischen Flüchtlingen und den anderen Vereinsmitgliedern“, kann konstatiert werden.

Großen Anklang hat außerdem das Angebot der SVA gefunden, die Zuwanderer bei der Suche nach Ausbildungs- und Praktikumsplätzen zu unterstützen. „Die Deutsche Post AG ist unser Kooperationspartner“, sagt Franz, „allerdings müssen die Deutsch-Kenntnisse noch weiter verbessert werden, um einen Ausbildungsplatz zum Beispiel als Postbote zu erhalten.“ Zu erwähnen ist zudem, dass Partner Werder Bremen schon viermal Flüchtlingen den Besuch eines Bundesligaspiels im Weserstadion ermöglicht hat. Bei der Partie gegen Aufsteiger RB Leipzig wurden 35 Karten zur Verfügung gestellt.

Die SVA wird von der Beauftragten der Bundesregierung für Migration, Flüchtlinge und Integration mit 500 Euro unterstützt, dieselbe Summe steuert die DFB-Stiftung Egidius Braun bei. Die Gesamtsumme von 1.000 Euro soll für Trainerhonorare und Trainingsmaterialien verwendet werden. BFV-Vize-Präsident Dieter Stumpe überreichte den Scheck erst kürzlich in Anwesenheit von 21 Flüchtlingen.