25 Jahre Fußball-Ferien-Freizeiten: Ex-Nationalkeeper Timo Hildebrand zu Gast in Hennef
26. Juli 2018 Zurück zur Artikelübersicht »

Am Anfang stand ein fester Vorsatz: Kleine Vereine sollten für Jugendarbeit belohnt werden, die über rein sportliche Zielsetzungen hinausgeht. Und das in ganz Deutschland. Aus einigen regional organisierten Fußball-Ferien-Freizeiten wurde eine bundesweite Initiative, die soziales Engagement und die Förderung des Vereinslebens überall in der Republik honoriert. Im 25. Jahr des Bestehens der Fußball-Ferien-Freizeiten der DFB-Stiftung Egidius Braun darf man von einer festen Größe sprechen, die vielen jugendlichen Fußballern zugutekommt. Zum 25. Jubiläum kamen unter anderem DFB-Vizepräsident Eugen Gehlenborg und Ex-Nationalkeeper Timo Hildebrand zur Freizeit nach Hennef. Hildebrand berichtete in einer Gesprächsrunde über seine Laufbahn und ehrte die Sieger eines Fußballturniers.

„Natürlich steht der Fußball in seinen verschiedenen Spielformen im Vordergrund der Fußball-Ferien-Freizeiten“, sagt Wolfgang Watzke, bis März vergangenen Jahres Geschäftsführer der DFB-Stiftung Egidius Braun und einer der Gründerväter der Initiative. „Aber wir legen bei den Veranstaltungen immer auch großen Wert darauf, das Rahmenprogramm so abwechslungsreich wie möglich zu gestalten: Besuche in Freizeit- oder Kletterparks finden ebenso statt wie gemeinsame Wanderungen. Entscheidend ist das Miteinander, die soziale Komponente spielt eine ganz wichtige Rolle.“

Inzwischen werden Fußball-Ferien-Freizeiten in ganz Deutschland durchgeführt – in den Sommerferien, wenn Schulunterricht und Spielbetrieb ruhen. Aber der Ursprung der Idee ist in Nordrhein-Westfalen zu finden. Der damalige DFB-Präsident Egidius Braun war ein begeisterter Befürworter der Events. Am Mittelrhein und in Westfalen gab es erste Ansätze, die Braun zu den Fußball-Ferien-Freizeiten zusammenfasste. „Egidius Braun hat immer betont, dass die Bedeutung des Fußballs weit über die bloßen Ergebnisse auf dem Platz hinausgeht. Er wollte den DFB gerade für die kleinen Vereine erlebbar machen und stand der Idee daher sehr aufgeschlossen gegenüber“, erinnert sich Wolfgang Möbius, seinerzeit Referent im Jugendbereich des DFB.

Zu Gast in Hennef – Ex-Nationalkeeper Timo Hildebrand

Im Winter 1992/93 hatten er und der damalige Vorsitzende des DFB-Jugendausschusses Willi Scheuerl an einem Konzept gefeilt. Bereits im Sommer 1993 nahmen die ersten zehn Vereine an Freizeiten teil und die Resonanz war äußerst positiv. Damit hatte das erste DFB-Projekt, das direkt an die Vereinsbasis gerichtet war, seine Feuertaufe gemeistert. Von da an standen die Zeichen auf Wachstum. Die ursprünglichen Ziele wurden jedoch weiterhin verfolgt: „Jugendarbeit, die soziales Engagement und das Vereinslebens fördert, sollte belohnt werden“, sagt Möbius. Zudem galt es in den Anfangsjahren, insbesondere die Kluft und Vorurteile zu verringern, die mehr als vier Jahrzehnte deutsche Teilung hinterlassen hatten. „Die Wiedervereinigung war damals ja noch nicht lange her. Uns ging es also auch darum, Fußballer aus Ost und West einander näherzubringen“, erklärt Möbius.

Freizeitangebote: Mehr als Fußball!

Der Schlüssel zum Erfolg lag dabei stets in der Vielfalt des Programms. Es wurde von Beginn an längst nicht nur gekickt. „Es war immer eine Mischung aus sportlichen, pädagogischen und kreativen Angeboten“, unterstreicht Möbius. So habe beispielsweise Rita Wahl als Vertreterin des DFB-Frauenausschusses für künstlerische Aspekte gesorgt und Theatergruppen während der Freizeiten initiiert.

Dennoch hat sich selbstverständlich in den zurückliegenden zweieinhalb Jahrzehnten einiges verändert. An den Fußball-Ferien-Freizeiten nehmen nicht mehr die zehn- bis zwölfjährigen Kicker teil, sondern Mädchen und Jungen im Alter von 13 bis 15 Jahren. Außerdem blieb die Initiative auf Expansionskurs. Inzwischen erhält der Nachwuchs aus 80 Klubs Jahr für Jahr die Chance, eine erlebnisreiche Woche zu verbringen. Eine Vereinsgruppe besteht dabei jeweils aus zwölf Spielern und zwei Betreuern. Die Verantwortung trägt seit dem Jahr 2001 die DFB-Stiftung Egidius Braun und diese übernimmt auch die Kosten für die An- und Abreise, die Unterbringung, die Verpflegung und das Rahmenprogramm. „Die Teams werden mit modernen Reisebussen abgeholt, untergebracht, rundum versorgt und es wird ein attraktives Programm auf die Beine gestellt“, sagt Klause Heise. Lediglich ein Taschengeld müssten die Jugendlichen mitbringen. Der 67-jährige pensionierte Polizeibeamte aus Lüdenscheid ist mit jedem Detail vertraut. Denn er ist seit 25 Jahren als Koordinator und Camp-Leiter der Freizeiten gefragt. Im Oktober startet er mit seinem Team die Vorbereitungen. In den Sommermonaten des Folgejahres finden dann im Uwe-Seeler-Fußball-Park in Bad Malente, der Sportschule Edenkoben, der Sportschule Grünberg, der Sportschule Hennef, der Egidius-Braun-Sportschule in Leipzig und der Sportschule Schöneck die Freizeiten statt.

DFB-Viezepräsident Eugen Gehlenborg blickt zurück auf 25 Jahre Fußball-Ferien-Freizeiten

Für ehrenamtliches Engagement begeistern

Das Programm vor Ort ist abwechslungsreich: Einem Turnier zum Kennenlernen folgen neben unterschiedlichen Trainingsformen abhängig von der Lage der jeweiligen Sportschule Outdoorcamps und Teamspiele im Wald, der Besuch von Hochseilgärten und Strandbädern. Außerdem lernen die Jugendlichen den nächstgelegenen Ort kennen und sie haben die Chance, das DFB-Fußballabzeichen abzulegen. Im Mittelpunkt steht dabei stets der Gedanke, etwas gemeinsam zu erleben und zu schaffen. „Für viele Teilnehmer ist es schon eine tolle Erfahrung, zum Essen zusammen am Tisch zu sitzen und sich zu unterhalten“, sagt Heise. Auf Teambuilding lege man besonderen Wert. Da immer drei, vier oder fünf Teams zeitgleich vor Ort seien, entstünden aber auch wertvolle Kontakte zu Spielern anderer Klubs aus anderen Regionen – „die mitunter lange halten“, betont Heise. Offenheit, soziales Miteinander und Zusammenhalt werden so gefördert: „Es fühlt sich wie bei einer großen Familie an.“

Zudem gelinge es mit gezielter Information, jugendliche Teilnehmer für ehrenamtliche Aufgaben in den Vereinen zu begeistern und zum längeren Verbleib in ihren Klub zu bewegen. „Das ist gerade bei 13- bis 15-Jährigen nicht selbstverständlich, weil in diesem Alter viele neue Interessen entstehen“, meint Heise. Und wer anpacke, ohne groß zu fragen, sei prädestiniert, später als Helfer wieder zu den Ferienfreizeiten zurückzukehren.

Angesichts des umfassenden langfristigen Nutzens der Fußball-Ferien-Freizeiten dürfen die im Stiftungshaushalt bereitgestellten 800.000 Euro als gute Investition in die Zukunft von Vereinen, Verbänden und Gesellschaft bezeichnet werden. Wie gut dieses Geld angelegt ist, zeigt sich aber auch ganz unmittelbar. „Zum Abschied fließen nicht selten Tränen bei den Jugendlichen, weil sie die Zeit so genossen haben“, sagt Heise. Einen besseren Beleg für die ungebrochene Beliebtheit der Ferienfreizeiten kann es wohl kaum geben.