Kleiner Klub ganz groß: Der SC Frintrop
27. November 2018 Zurück zur Artikelübersicht »

Gemeinsamer Sport kann ein Schlüssel zur Integration neuer Mitbürger sein. Doch es braucht stets Macher und Initiatoren, die Zeit und Kraft investieren, um Projekte anzustoßen. Günter Kropp vom Fußballverein SC Frintrop ist einer dieser Menschen. Bei ihm waren es die Proteste einiger Mitbürger, die seinen Tatendrang stärkten. „Es gab Leute, die dagegen waren, dass Flüchtlinge in einer leerstehenden Schule in unserem Stadtteil untergebracht werden“, erinnert sich der Pensionär aus dem 8500 Einwohner zählenden Essener Stadtteil. „Das war der Moment, in dem ich gedacht habe: jetzt erst recht. Wir müssen etwas für die Migranten und ihre Integration tun.“

Rund zwei Jahre sind seitdem vergangen. Zwei Jahre, in denen Kropp einiges bewegt hat im Nordwesten der Ruhrgebietsmetropole. Mit einigen Mitstreitern vom Fußballklub SC Frintrop und in steter Kooperation mit Verwaltung und anderen Institutionen, die sich um Flüchtlingsarbeit kümmern, krempelte der umtriebige 80-Jährige die Ärmel hoch. „Wir haben überlegt, was wir tun können“, sagt er. Als begeisterter Fußballer und langjähriger Geschäftsführer des Essener Sportbunds wusste er um die besondere Kraft, die der Fußball bei der Integration entfalten kann. In diesem Bereich mussten also Angebote her.

Fußballspieler des SC Frintrop.

EGIDIUS-BRAUN-STIFTUNG UNTERSTÜTZT KLUB

„Aber es war gar nicht so einfach, an die geflüchteten Menschen heranzukommen. Vor allem, wenn sie nicht in gemeinsamen Unterkünften leben“, sagt er. Doch Kropp fand einen Weg. Er nahm Kontakt zu einer Vielzahl von Kindertagesstätten und Schulen in seinem Stadtteil auf, um dort Sportangebote für Kinder und Jugendliche mit und ohne Migrationshintergrund anzubieten. Ein Kindersportfest und Veranstaltungen auf dem Marktplatz in Frintrop wurden organisiert. „Dort haben wir sogar ein Soccerfeld aufgebaut“, sagt Kropp. Wie viele Stunden er schon in dieses Engagement gesteckt hat, weiß er nicht. „Das habe ich nie nachgehalten, aber es werden einige gewesen sein.“ Doch er weiß, dass es sich lohnt und funktioniert. Und auch die DFB-Stiftung Egidius Braun ist vom Gelingen dieser Aktivitäten überzeugt. Im Rahmen der Initiative „2:0 für ein Willkommen“ unterstützt die Stiftung zusammen mit der Beauftragten der Bundesregierung für Migration, Flüchtlinge und Integration Kropp und seine Mitstreiter beim SC Frintrop mit einem Betrag in Höhe von 18.640 Euro in ihrem Engagement.

Dabei betont der Essener, dass es ihm nie darum gegangen sei, neue Mitglieder für den SC Frintrop zu gewinnen. Vielmehr gelte es, Kinder, die in Essen aufgewachsenen sind, und ihre zugezogenen Altersgenossen zusammenzubringen. „Wenn sie sich dann auf dem Bolzplatz, dem Schulhof oder der Straße begegnen, sollen sie sich kennen, einen Draht zueinander haben“, beschreibt Kropp. Letztlich, davon ist er fest überzeugt, sei das die Grundlage für soziale Kontakte und Freundschaften. Und genau das sei schon immer der Kitt gewesen, der die Menschen im Ruhrgebiet zusammengehalten habe. Auch im Verein weiß man sein Wirken zu schätzen. „Es braucht Leute wie ihn, um etwas zu bewegen“, betont der Vorsitzende Werner Engels. Kropp sei einfach ein toller Typ, stecke voller Energie und Enthusiasmus.

SO FUNKTIONIERT INTEGRATION

Solche Komplimente will Kropp nicht groß kommentieren. Zumal er seine Motivation aus einer anderen Quelle schöpft. Anfang der 1980er-Jahre, also vor mehr als 30 Jahren, erzählt er, habe er eine integrative Jugendfreizeit in der Türkei mitorganisiert. Dort habe er erlebt, wie schnell Menschen, die zusammen Sport treiben, sich näherkommen. „Damals sind Freundschaften entstanden, die noch immer halten“, betont er. Noch heute spiele man regelmäßig gemeinsam Fußball. Der Verein sei dann oftmals eine stabile Säule dieser Verbindung. Diese Erfahrung will er an möglichst viele Menschen weitergeben. Denn so funktioniere Integration.

An konkreten Vorhaben und Ideen mangelt es dem Pensionär ohnehin nicht. Sportangebote für Frauen sollen vorangetrieben werden. Dabei gab es jüngst einen großen Erfolg: Mit Unterstützung des Fußballverbands Niederrhein begann im Oktober ein Kindertrainer-Seminar für Geflüchtete. Unter den insgesamt zwölf Absolventen waren acht Frauen, die sich fortan ehrenamtlich im Verein engagieren werden. Davon verspricht sich Kropp einen enormen Effekt: nämlich einen guten Zugang zu Kindern und Jugendlichen, die aus anderen Ländern stammen. Dass das Projekt außerdem dem Mangel an Ehrenamtlern entgegenwirkt, ist großartig, findet Kropp. Denn auch, wenn er das so nicht sagen würde: von Menschen wie ihm, die sich derart für Integration stark machen, kann es nicht genug geben.

Die Egidius-Braun-Stiftung unterstützte in den Jahren 2015, 2016 und 2017 insgesamt 3324 Fußballvereine, die sich für Flüchtlinge einsetzten, mit einer pauschalen Anerkennungsprämie von jeweils 500 Euro. Darüber hinaus wurden im Jahr 2017 insgesamt 60 Fußballvereine und -verbände mit einer individuellen Fördersumme für weitergehende gesellschaftliche Integrationsansätze gefördert.

Auch im Jahr 2018 werden gemeinsam mit der Beauftragten der Bundesregierung für Migration, Flüchtlinge und Integration sowie mit finanzieller Unterstützung der Nationalmannschaft Engagements gefördert, die geflüchteten Menschen den weitergehenden Zugang in die Gesellschaft, vor allem zu Bildungs- und Berufsangeboten, erleichtern.

Die Initiative “2:0 für ein Willkommen” läuft. Jetzt für Fördergelder bewerben!