„Den Kindern der Welt ein besseres Leben ermöglichen“
18. Juni 2020 Zurück zur Artikelübersicht »

Dr. Gotthard Kleine vom Kindermissionswerk „Die Sternsinger“.

Dr. Gotthard Kleine, Geschäftsführer des Kindermissionswerks „Die Sternsinger“, erklärt im Interview, warum die Partnerschaft mit der DFB-Stiftung Egidius Braun für alle Seiten so wertvoll ist.

 

Herr Dr. Kleine, wie ordnen Sie die jahrelange Zusammenarbeit zwischen dem Kindermissionswerk „Die Sternsinger“ und der DFB-Stiftung Egidius Braun ein?

Um es in der Fußballersprache zu sagen: Zusammen sind wir ein richtig gutes Team. Und das seit vielen Jahren. Seit 2001 unterstützen wir gemeinsam Projekte für benachteiligte Kinder in Mexiko, Osteuropa, Afrika und Brasilien. Unter dem Motto „Nationalspieler und Sternsinger bauen Brücken zu Kindern in Not“ fördern wir Kindergärten, Einrichtungen für Kinder mit Behinderung, Sozial- und Bildungsprojekte, Programme zur Friedenserziehung und zur Flüchtlingshilfe sowie ein Krankenhaus. Eines zeigt sich dabei immer wieder ganz deutlich: Die gemeinsame Hilfe der DFB-Stiftung und der Sternsinger hat sich bewährt und kommt bei den Kindern vor Ort an. Ich freue mich, dass wir zusammen diesen erfolgreichen Weg fortsetzen und dadurch Kindern in der Welt ein besseres Leben ermöglichen können.

 

Die gemeinsame Hilfe von DFB-Stiftung und Sternsinger kommt bei den Kindern vor Ort an.

Wie wichtig ist für die Arbeit vor Ort die Unterstützung der DFB-Stiftung Egidius Braun?

Durch ihre Unterstützung und finanzielle Hilfe leistet die Stiftung einen entscheidenden Beitrag, um Mädchen und Jungen konkret und zielgerichtet vor Ort zu helfen. Damit unsere gemeinsame Hilfe auch da ankommt, wo sie gebraucht wird, arbeiten wir eng mit unseren lokalen Projektpartnern zusammen. Denn sie sind es, die die Bedürfnisse, Nöte und Ängste der Kinder ganz genau kennen und wissen, welche Unterstützung sinnvoll ist. Durch diese Projektpartnerschaften gewährleisten wir auch, dass das Geld, das wir zur Verfügung stellen, effizient eingesetzt wird. Wichtig ist uns dabei, die Lebenssituationen nachhaltig zu verbessern. Deshalb arbeiten wir in den Projekten daran, Bildung, soziale Integration und Gesundheit der Kinder und Jugendlichen langfristig zu fördern.

 

Das Kinderzentrum in Mexiko-Stadt, die „Fundación para la Asistencia Educativa“, feierte sein 30-jähriges Bestehen.

Wie bewerten Sie speziell die Aktivitäten im vergangenen Jahr?

2019 war ein besonderes Jahr für die Kooperation zwischen der DFB-Stiftung und dem Kindermissionswerk. Zum einen haben wir zwei neue Mexiko-Projekte in unser gemeinsames Förderprogramm aufgenommen. In Mexiko-Stadt unterstützen wir jetzt ein Projekt zur Betreuung und sozialen Integration von Kindern und Jugendlichen aus Flüchtlingsfamilien. Und im Süden Mexikos, in der Kleinstadt Ayutla de los Libres, fördern wir ein Programm zur Friedenserziehung. Dort lernen täglich 130 Kinder im Alter von drei bis 14 Jahren, wie sie gewaltfrei kommunizieren und Konflikte lösen können. Ich persönlich freue mich sehr darüber, dass wir gerade diese beiden Projekte unterstützen. Denn es geht um Flucht und Frieden, zwei aktuelle Themen, die uns auch in Zukunft mehr denn je beschäftigen werden. Und dann war das vergangene Jahr ein besonderes, weil wir in zwei unserer Projekte Jubiläen feiern konnten. Die Kindertagesstätte „Casa de Cuna“ in Querétaro – das Projekt, das die Geburtsstunde der Mexico-Hilfe markiert – feierte ihr 75-jähriges Jubiläum. Seit mehr als 30 Jahren unterstützen wir dort gemeinsam Jungen und Mädchen, indem sie eine Vorschulbildung erhalten und medizinisch versorgt werden. Und in Mexiko-Stadt feierte das Kinderzentrum unseres lokalen Partners, die „Fundación para la Asistencia Educativa“ (kurz: FAE), sein 30-jähriges Bestehen. Auch sie leisten eine enorm wertvolle Arbeit: Während die Eltern auf der riesigen Mülldeponie nach Wertstoffen suchen, um damit Geld zu verdienen, erhalten rund 350 Kinder im Zentrum etwas zu essen und lernen lesen, schreiben und rechnen. Nur mit Bildung haben sie später eine Chance, nicht auch auf der Müllhalde arbeiten zu müssen.

 

Derzeit werden insgesamt 30 Projekte für benachteiligte Kinder gefördert.

Was sind für Sie persönlich Leuchtturmprojekte der Kooperation?

Wir fördern aktuell insgesamt 30 Projekte für benachteiligte Kinder in vielen Teilen der Welt. Alle diese Projekte sind für mich Leuchtturmprojekte, weil sie Kindern definitiv eine Chance auf ein besseres Leben ermöglichen. Einige Projekte sind mir aber besonders in Erinnerung geblieben. Zum Beispiel als deutsche Fußball-Nationalspieler bei der WM 2014 eines unserer Projekte im brasilianischen Bundesstaat Bahia besuchten. In den Kinder- und Jugendzentren in Santo André werden etwa 70 Schulkinder nachmittags betreut und intensiv gefördert. Dadurch wird oftmals verhindert, dass die Kinder und Jugendlichen auf die schiefe Bahn geraten. Ein weiteres beispielhaftes Projekt ist die Zirkusschule „Zip Zap“ in Südafrika, das wir zusammen seit der WM 2010 fördern. Der Zirkus in Kapstadt gibt Straßenkindern ein Zuhause, neben Akrobatik können die Mädchen und Jungen auch einen Beruf erlernen. Ich denke aber auch an das Projekt „Stern der Hoffnung“, so heißt ein Kinderheim in der rumänischen Stadt Alba Iulia, wo Kinder ein sicheres Zuhause finden. Oder an das Kinderkrankenhaus in der ukrainischen Stadt Charkiw, das wir unterstützen. Wie ich schon sagte: Alle Projekte machen eine sehr gute Arbeit.

 

Welches Feedback erhalten Sie von den Menschen in den Projekten?

Für die Menschen ist es wichtig, zu wissen, dass sie nicht alleine gelassen werden, dass sie Unterstützung erfahren für ihre wertvolle Arbeit. Ich habe selber viele unserer gemeinsamen Projekte besucht, zum Beispiel die bereits erwähnte Kindertagesstätte „Casa de Cuna“. Ich habe dort Kinder getroffen, deren Schicksale mich sehr berührt haben. Vor allem aber hat mich bei der damaligen Leiterin, Schwester Madre Adela, tief beeindruckt, mit welcher Begeisterung und Motivation sie sich zeitlebens für die Kinder einsetzte. So dankbar unsere Partner für die Hilfe der Stiftung und der Sternsinger sind, so dankbar bin ich für die großartige Arbeit unserer Projektpartner, die den Mädchen und Jungen eine Perspektive bieten und ihnen ein besseres Leben ermöglichen. Als unsere Nationalmannschaft 2014 in Brasilien Weltmeister wurde, schrieb eine südamerikanische Zeitung: Die deutschen Fußballer sind doppelte Weltmeister – zum einen holen sie den Titel und dann helfen sie auch – wie kein anderer – Kindern in Not. Beides zeichnet tatsächlich den deutschen Fußball auf internationaler Bühne aus.