Wertedialog mit Weltmeisterin: Fatmire Alushi trifft Schüler aus Offenbach
02. Juli 2021 Zurück zur Artikelübersicht »

Die Rudolf-Koch-Schule in Offenbach begrüßte einen prominenten Gast zum virtuellen Werte-Talk der Bildungsinitiative GermanDream und der DFB-Stiftung Egidius Braun. Die 22 Schüler*innen der 9c konnten sich mit der ehemaligen Nationalspielerin Fatmire Alushi über gesellschaftliche und persönliche Werte und Überzeugungen unterhalten. Bei einem Gespräch auf „Augenhöhe“ konnten die Jugendlichen ohne Berührungsängste ihre Fragen formulieren und haben authentische und persönliche Antworten von Fatmire Alushi erhalten.

aufgeklappter Laptop, auf dem Fatmire Alushi zu sehen ist

Weltmeisterin Fatmire Alushi im Wertedialog (Copyright GermanDream).

Die Schulbücher konnte Ibrahim Hassan diesmal in seinem Rucksack lassen. Stattdessen saß der 15-Jährige vor einer Kamera und begrüßte eine echte Fußball-Weltmeisterin. Fatmire Alushi gewann 2007 unter ihrem Geburtsnamen Fatmire Bajramaj mit der deutschen Frauen-Nationalmannschaft den WM-Titel. Nun war sie zu Gast bei einem digitalen Wertedialog und sorgte in der Klasse 9c der Rudolf-Koch-Schule in Offenbach für einen ganz besonderen Unterricht.

Auf eine Wand wurden die Logos von GermanDream und der DFB-Stiftung Egidius Braun projiziert. Bei den Werte-Talks geht es um einen Austausch auf Augenhöhe, in dem Schüler*innen zunächst Werte definieren und sich darüber mit einem prominenten Gast unterhalten.

Alushi: „Es fehlt die Anerkennung in der Gesellschaft“

Fatmire Alushi begeisterte mit ihrer offenen Art die Schüler*innen des Gymnasiums. Ibrahim Hassan wollte von der 33-Jährigen wissen, wie sie die großen Gehaltsunterschiede im Frauen- und im Männersport bewerte. „Da fehlt einfach noch die Anerkennung in der Gesellschaft“, erklärte die ehemalige Nationalspielerin, die 2017 ihre Karriere als professionelle Fußballerin beendete.

Es ging im Werte-Talk nicht nur um Gehälter und um Fußball, sondern auch um Alushis Lebensweg und ihre Erfahrungen. Als Fünfjährige floh sie mit ihrer Familie aus dem Kosovo vor den zunehmend eskalierenden Spannungen nach Deutschland. Die Bajramajs fanden in Nordrhein-Westfalen eine neue Heimat. Und die Tochter jagte auf der Straße dem Fußball hinterher. „Das hat mein Vater nicht so gerne gesehen“, erzählte Alushi. „Für ihn war Fußball kein Sport für Mädchen.“ Als sie sich in einem Verein anmelden wollte, brauchte sie aber die Unterschrift der Eltern für den Spielerpass. „Die habe ich dann in Druckbuchstaben selbst eingetragen. Der Betreuer im Verein hat sofort gemerkt, dass das nicht meine Eltern unterschrieben haben können, aber ich durfte trotzdem mitspielen“, verriet Alushi.

Internationale Karriere und eine klare Stellung zur „Regenbogen-Affäre“

Sie machte schließlich Karriere, gewann mit der Nationalmannschaft neben der WM auch noch 2009 und 2013 die Europameisterschaft. Im Vereinsfußball war Alushis größter Erfolg der Gewinn der Champions League mit Turbine Potsdam 2010. Später spielte sie noch für Paris Saint-Germain und lernte dort damals auch den Topstar Zlatan Ibrahimovic kennen. „Das ist ein ganz, ganz lieber Mensch“, sagte Alushi über den Schweden, der damals für das PSG-Männerteam spielte.

aufgeklappter Laptop, auf dem Fatmire Alushi zu sehen ist.

Alushi: „Es fehlt die Anerkennung in der Gesellschaft“ (Copyright GermanDream).

David Deubel (15) lenkte das Thema auf die Diskussion um die Beleuchtung des Münchener Fußballstadions. Vor dem EM-Spiel zwischen Deutschland und Ungarn am 23. Juni plante der Stadtrat eine Illuminierung der Außenfassade in den Regenbogenfarben – als Zeichen für Toleranz und Gleichberechtigung. Die UEFA lehnte diesen Antrag ab, weil sie einen „politischen Kontext“ sah. „Ich war geschockt“, sagte Alushi zur Entscheidung des Europäischen Fußballverbandes.

Für die klaren Aussagen erhielt der prominente Gast zum Ende des Wertedialogs von den Schüler*innen und dem Lehrer Bertan Tufan Applaus. „Sie kamen voll sympathisch rüber“, sagte Schülerin Berfin Kayış (15). „Es ist schön, zu sehen, wie selbstständig eine Frau sein kann.“ Genau um solche Momente geht es bei den Werte-Talks.