“Als Botschafter und als Mexikaner schätze ich die Freundschaft unserer Länder und die Freundschaft des DFB sehr”
12. Juli 2021 Zurück zur Artikelübersicht »

In dieser Woche wird die Mexico-Hilfe 35 Jahre alt. Aus diesem besonderen Anlass haben wir mit dem langjährigen Botschafter Mexikos in Deutschland, H. E. Rogelio Granguillhome Morfín, über das soziale Engagement des DFB in Mexiko und die Kraft des Fußballs gesprochen.

 

Der lächelnde Botschafter von Mexiko vor der mexikanischen Flagge.

H. E. Rogelio Granguillhome Morfín, der langjährige Botschafter Mexikos in Deutschland.

Wie beurteilen Sie die Entwicklung in Ihrem Land?

Es hat sich sehr viel verändert, seit die DFB-Stiftung Egidius Braun nach der Fußballweltmeisterschaft in Mexiko 1986 begann, das Kinderheim in Querétaro zu unterstützen.

Wir haben danach kein weiteres so großes Sportereignis wie die WM ausgetragen, aber unsere Gesellschaft hat sich sehr weiterentwickelt. Heute ist Mexiko ein Land, dessen wirtschaftliche, politische und kulturelle Präsenz in der Welt viel stärker wahrgenommen wird. In 35 Jahren ist unsere Bevölkerung von 77 auf 126 Millionen Menschen gewachsen, das BIP pro Kopf von 1.733 USD auf 9.946 USD pro Jahr sowie  die Lebenserwartung von 69 auf 75 Jahre gestiegen. Wenn die deutsche Fußballmannschaft von 1986 heute noch einmal nach Mexiko käme, wäre sie überrascht, wie viel sich verändert hat.

Wo besteht ein besonderer Handlungs- und Entwicklungsbedarf?

Mexiko hat in den letzten Jahrzehnten sehr wichtige wirtschaftliche, politische und soziale Ziele erreicht. Trotzdem konnten viele Menschen in unserem Land ihren Wunsch nach mehr Wohlstand noch nicht erfüllen. Deshalb kämpfen wir weiter gegen Ungleichheit, verbessern den Zugang zu hochwertiger Bildung, schützen unsere Umwelt, bekämpfen Korruption, verteidigen Kinder- und Frauenrechte und arbeiten daran, die soziale Teilhabe aller Menschen zu erweitern.

Besondere Herausforderungen sind im Moment mit der COVID-19-Pandemie verbunden. Nahezu alle Bemühungen der Regierung, der Privatwirtschaft und der Zivilgesellschaft sind auf die Bewältigung der Pandemiefolgen gerichtet.

Was sind die Auswirkungen der Pandemie in Mexiko?

COVID-19 hat den gesamten amerikanischen Kontinent sehr stark getroffen. Mexiko hat sich der Pandemie entsprechend seinen Kapazitäten gestellt: als sehr großes bevölkerungsreiches Land mit mittlerem Einkommen und hoher Ungleichheit.

Die Auswirkungen auf die Wirtschaft sind erheblich, aber durch die konjunkturelle Erholung ist die bisherige Entwicklung besser als ursprünglich befürchtet. Der mexikanischen Regierung ist es durch internationale Koordinationsbemühungen gelungen, Impfstoffe verschiedener Hersteller zu beschaffen und eine Impfkampagne durchzuführen, die derzeit beim Schutz von Erwachsenen über 60 Jahren gut vorangeht.

Leider hat unser Land durch COVID-19 den Verlust von über 200.000 Menschenleben zu beklagen. Sie wurden aus dem Leben gerissen; es sind Schicksale, die uns alle schmerzen.

Wie bewerten Sie die Wirkung der Hilfe der Stiftung für Mexiko?

Die Geschichte der Solidarität und Zusammenarbeit zwischen Mexiko und Deutschland ist reich an Erfolgsbeispielen – von der offiziellen Entwicklungshilfe über staatliche Institutionen bis hin zu den Bemühungen von Einrichtungen wie der DFB-Stiftung Egidius Braun.

35 Jahre Engagement des DFB für ein konkretes Projekt – das ist ein Beispiel für die Solidarität, die deutsche Institutionen an verschiedenen Orten der Welt praktizieren, wo sie auf Partner treffen und Freundschaften schließen.

Die Unterstützung des Kinderheims in Querétaro durch die Stiftung zeigt, dass Fußball mehr ist als nur ein Wettkampf zwischen zwei Mannschaften und 22 Spielern. Fußball kann Leidenschaft wecken, die sich positiv auf andere Lebensbereiche der Menschen und auch auf das Leben von Ländern auswirkt.

Was ich als mexikanischer Botschafter in Deutschland sagen kann, kommt nicht annähernd an die Dankbarkeit gegenüber der DFB-Stiftung Egidius Braun heran, die mittlerweile bereits Dutzende von Erwachsenen in Mexiko empfinden, die Jahre in der Kinderkrippe verbracht haben. Dasselbe gilt für die Menschen in Guadalajara, die direkt von der Unterstützung für eine Schule oder für eine weitere Kindertagesstätte profitiert haben.

Als Botschafter und als Mexikaner schätze ich die Freundschaft unserer Länder und die Freundschaft des DFB sehr.

Was sind Ihre Wünsche für die Zukunft?

Ich hoffe, dass sich die Freundschaft zwischen Mexiko und Deutschland in allen Bereichen weiterentwickeln wird: wirtschaftliche Partnerschaft, politischer Dialog und Abstimmung, Zusammenarbeit zwischen Regierungen und Zivilgesellschaften.

Ich wünsche den Projekten der DFB-Stiftung Egidius Braun noch viele Jahre guter Arbeit für die Kinder in Mexiko. In Bezug auf den Fußball hoffe ich, dass wir uns, wann immer unsere Nationalmannschaften oder Teams aus unseren Ländern gegeneinander spielen, daran erinnern, dass Fußball Leidenschaft ist, dass er eine Kraft ist, mit der wir gemeinsam unsere Gesellschaften einander näherbringen und zur Verbesserung unseres Lebens beitragen können.