„Das Programm mit all seinen Facetten war eine absolute Bereicherung für mich!“
22. November 2021 Zurück zur Artikelübersicht »

Yusif Abdulai ist einer der Teilnehmenden des Leadership-Programms für Menschen mit Fluchterfahrung. Es ist Teil der Initiative „2:0 für ein Willkommen“, die von der DFB-Stiftung Egidius Braun zusammen mit der Beauftragten der Bundesregierung für Migration, Flüchtlinge und Integration umgesetzt wird. Im Interview erklärt der 57-Jährige, der gebürtig aus Ghana kommt, was ihm das Programm für seine ehrenamtliche Arbeit unter anderem als Trainer der F2-Jugend des TV Haßloch aus Rüsselsheim bringt.

Yusif Abdulai vor dem Brandenburger Tor in Berlin

Yusif Abdulai hatte große Freude am Leadership-Programm.

Yusif Abdulai, drei der vier Module des Leadership-Programms für Menschen mit Fluchterfahrung sind jetzt vorbei. Wie ist Ihr Fazit bisher?

Yusif Abdulai: Absolut positiv. Wir haben bislang super Input bekommen, der für meine ehrenamtlichen Tätigkeiten total hilfreich ist. Beim TV Haßloch in Rüsselsheim trainiere ich eine F2-Jugend. Außerdem organisiere ich für Flüchtlinge aus der Region Hobbymannschaften im Fußball, Hockey und American Football.

Los ging das Leadership-Programm in Berlin mit dem Schwerpunkt Kommunikation. Was haben Sie dort mitgenommen?

Abdulai: In verschiedenen Übungen und Planspielen konnten wir das theoretische Wissen in geschützter Umgebung ausprobieren und verschiedene Argumentationsstrategien testen und erleben. Die gewonnenen Erkenntnisse werden wir sowohl bei unserer Arbeit im Fußballverein als auch in unserem Alltag anwenden. Wir haben Lösungen für verschiedene Fragestellungen erarbeitet.

Zum Beispiel?

Yusif Abdulai zeigt auf eine Fußball-Taktiktafel

Yusif Abdulai hat beim Leadership-Programm viele Erkenntnisse gewonnen.

Abdulai: Mit wem muss ich wie sprechen, um zum Ziel zu kommen? Wie kann ich mit meinem Anliegen überzeugen? Was kann ich tun, wenn ein Gespräch nicht so läuft wie erhofft? Mit Gerd Liesegang, langjähriger Vizepräsident des Berliner Fußball-Verbandes, und Mark Pomorin, ehemaliger Profispieler des FC St. Pauli, haben wir über diese Fragen gesprochen und für uns passende Lösungen gefunden.

Im zweiten Modul der Serie ging es in Malente weiter mit dem Schwerpunkt Vereinsmanagement.

Abdulai: Auch das Thema fand ich persönlich total interessant. Ich habe dabei Einblick in Schwerpunkte bekommen, mit denen ich vorher nie in Berührung gekommen bin. Es ging zum Beispiel um Folgendes: Was ist der Zweck eines Vereins? Wie gründe ich einen Verein? Was wird durch eine Satzung geregelt? Welche Gremien und welche ehrenamtlichen Führungspositionen gibt es im Verein? Im Anschluss an den Theorieteil haben wir das theoretische Wissen ausprobiert und fiktiv eigene Vereine gegründet. Fabian Thiesen vom Schleswig-Holsteinischen Fußballverband (SHFV) hat uns dabei Tipps gegeben.

Auch Willi Lemke, bis Dezember 2016 Sonderberater des UN-Generalsekretärs für Sport im Dienste von Frieden und Entwicklung und zuvor lange Jahre Manager des SV Werder Bremen, war in Malente vor Ort. Was haben Sie von ihm mitgenommen?

Abdulai: Es war super, eine so bekannte Persönlichkeit einmal kennenzulernen. Wann hat man dazu schon mal die Gelegenheit? Willi Lemke hat viel von seinem Wissen mit uns geteilt. Was er uns erzählt hat, hat mich noch mehr motiviert, Verantwortung in meinem Verein zu übernehmen.

Yusif Abdulai mit einer FFP2-Maske vor einer Wand mit Fußballzeichnungen

Die Freude über das Treffen mit Willi Lemke war groß.

Zuletzt ging es in der Sportschule Wedau um das Thema Führung im Fußballverein.

Abdulai: Auch hier haben wir drei tolle und lehrreiche Tage erlebt. Am ersten Abend hat uns Sebastian Sander besucht. Er ist Vertreter der jungen Generation im Fußball-Verband Mittelrhein. Mit ihm haben wir besprochen, wie gute Führung aussieht. Aber auch, wie wir uns verhalten sollen, wenn wir in einer Sackgasse sind oder wenn unsere Meinung nicht akzeptiert wird. Im weiteren Verlauf haben wir dann zahlreiche Übungen gemacht. Das war für uns alle deshalb besonders hilfreich, weil von niemandem von uns Deutsch die Muttersprache ist. Das macht die Kommunikation manchmal kompliziert. Aber jetzt kennen wir Wege, wie wir damit klarkommen können.

Der Abschluss steht in Frankfurt am 10. Dezember auf dem Programm. Sind Sie froh, dass es dann vorbei ist?

Abdulai: Im Gegenteil. In dieser Runde sind Freundschaften zwischen den Teilnehmenden entstanden. Als sich zuletzt nach dem Modul in Duisburg unsere Wege getrennt haben, war ich richtig traurig. Es tut einfach total gut, mit anderen zu sprechen, die vielleicht dieselben Probleme haben, wie ich. Und es ist auch interessant, Einblicke in deren Tätigkeiten zu bekommen.

Wie funktioniert der Austausch mit Ihrem Mentor?

Abdulai: Mein Mentor arbeitet im Vorstand beim TV Haßloch. Mit ihm spreche ich immer nach den verschiedenen Modulen und berichte ihm von den Inhalten. Ich kann aber auch sonst jederzeit zu ihm kommen, wenn ich eine Frage oder ein Problem habe. Das ist sehr hilfreich. Auch an dieser Stelle ist das Leadership-Programm ein Türöffner.

Würden Sie die Teilnahme also empfehlen?

Abdulai: Zu 100 Prozent. Das Programm mit all seinen Facetten war eine absolute Bereicherung für mich. Wenn man es ernst nimmt und sich mit den Inhalten auseinandersetzt, ist es absolut gewinnbringend. Mich auf jeden Fall hat es bisher total motiviert. Ich finde es schon jetzt schade, dass es bald vorbei ist.